Wie Sie Expert/innen für Barrierefreies Bauen finden können


Foto:  Suraya Jammeh

Vielleicht ist Ihnen das ja auch schon passiert: die Wohnraumberater/innen Ihres Pflegestützpunktes haben Ihnen Tipps gegeben, welche Barrieren in Ihrer Wohnung beseitigt werden sollten, die Ihnen durchaus einleuchtend und sinnvoll erschienen. Und weil Sie zu denjenigen gehören, die sich gründlich vorbereiten, haben Sie sich noch durch einschlägige Broschüren und Webseiten informiert, die Ihnen ebenfalls die gleichen Hinweise geben: Sie sollten Ihre Türschwellen abbauen lassen, benötigen eine seniorengerechte Dusche etc. etc.

Theorie und Praxis klaffen leider oft weit auseinander

Und dann kommt die böse Überraschung: die Handwerker/innen oder Planer/innen, die Sie beauftragen wollen, erzählen Ihnen mit vielen Worten, dass das, was Sie vorhaben, entweder technisch überhaupt nicht machbar ist oder – was noch viel schlimmer ist – man baut Ihnen für sehr viel Geld etwas ein, was sie gar nicht nutzen können und/oder eine ästhetische Katastrophe ist.

Es wird jetzt kein Trost für Sie sein, aber Sie stehen mit diesem Problem ganz und gar nicht alleine da.

Wir können es gar nicht oft genug sagen: barrierefreies Bauen und entsprechende Wohnungsanpassungen sind leider kein Standard-Bestandteil einer Handwerker- oder Architektenausbildung. Wie aber können Sie feststellen, ob jemand geeignet ist oder nicht?

Die folgenden Punkte sollen Ihnen dabei eine Hilfestellung geben:

a) Zusatzqualifikation „zertifizierte Fachkraft für Barrierefreies Bauen“
Kenntnisse zu baulichen Möglichkeiten und den damit verbundenen vielfältigen Produktlösungen erwirbt man erst durch eine entsprechende Weiterbildung. Zögern Sie daher niemals, vorab nach einer entsprechenden Qualifikation und Zertifizierung zu fragen, bevor Sie irgend jemanden beauftragen. Einige Fachbetriebe für Barrierefreies Bauen haben wir für Sie bereits hier auf unserer Übersichtskarte eingetragen.

b) Weiterbildungsqualität
Leider gibt es bis heute keine einheitlichen Qualitäts-Standards bei Weiterbildungen, die eine Zertifizierung zur Fachkraft für barrierefreies Bauen versprechen. Tatsache ist, dass der Umfang solcher Weiterbildungen zwischen einigen Stunden und mehreren Monaten schwankt. Zum Vergleich: eine Weiterbildung bei der Handwerkskammer Düsseldorf, umfasst 6 Monate (151 Fernunterrichtsstunden, 32 Präsenzstunden und Abschlussprüfung).

c) Praxiserfahrung
Jedes Haus und jede Wohnung, die angepasst werden sollen, sind völlig verschieden – genauso wie die Bedürfnisse ihrer jeweiligen Nutzer/innen. Erst durch langjährige Berufspraxis können ausreichend Erfahrungswerte erworben werden, welche Lösungen machbar und sinnvoll sein können. Zögern Sie daher nicht, nach entsprechenden Referenzen zu fragen, bevor Sie jemanden beauftragen.

Und wenn das Kind trotzdem in den Brunnen gefallen sein sollte, denken Sie an Ihr Recht als Verbraucher/in!

Nicht alles, was als senioren- oder behindertengerecht deklariert wird, ist es wirklich auch. Und letztenendes muss außerdem jede Maßnahme passend zu den individuellen Bedürfnissen des (bei der Pflegekasse beantragenden) Menschen umgesetzt werden.

Wenn man Ihnen also z.B. eine „seniorengerechte“ Duschkabine eingebaut hat, deren Einstieg aber für Sie persönlich zu hoch ist, sind Sie im Recht. Zögern Sie daher nicht, – auch im Interesse anderer Betroffener – zu reklamieren und Ihren Pflegestützpunkt, Ihre Pflegekasse etc. darüber zu informieren.

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