Plötzlich Pflegefall oder schon mal vorbeugen wollen – und wer bezahlt´s? 1


Zuschüsse zur Wohnungsanpassung

Der Einbau einer ebenerdigen Dusche, die Verbreiterung von Türen, die Optimierung von Licht- und Stromquellen, der Einbau von Steuerungs- und Sicherheitssystemen sowie die Entfernung/Überbrückung von Schwellen und Stufen über Rollstuhlrampen oder Treppenlifte sind nur einige Beispiele, um Häuser barrierefrei anzupassen.

Viele scheuen sich jedoch leider nach wie vor davor, solche Maßnahmen umzusetzen, weil sie Sorge haben, den finanziellen Belastungen, die damit einhergehen, nicht gewachsen zu sein, auch wenn sie sie eigentlich benötigen. Oder sie wissen nicht, an wen sie sich wenden können, um sich umfassend zu informieren.

In ganz Deutschland können Sie sogenannte Pflegestützpunkte finden, deren Mitarbeiter/innen Sie zu Ihren individuellen Finanzierungsmöglichkeiten beraten und bei Antragsstellungen unterstützen können. Deren Adressen finden Sie hier.

Wir können nur raten: nutzen Sie dieses Angebot. Vorab geben wir Ihnen hier trotzdem schon einmal einen kleinen Überblick zu Ihren Möglichkeiten.

Die folgenden Institutionen kommen unter anderem für barrierefreies Bauen oder im konkreten Pflegefall – je nach Ursache der Pflegebedürftigkeit – für die Förderung eines barrierefreien Umbaus in Frage.

Und einige finanzieren sogar auch ohne dass eine Pflegestufe vorliegt.

Finanzierung durch die Pflegekasse

Seit 2017 zahlt die Pflegekasse schon ab Pflegegrad 1 einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro für eine individuelle Anpassung Ihres Wohnumfeldes. Zielsetzung ist dabei, dass dadurch Ihre Selbstständigkeit erhöht und/oder pflegende Personen entlastet werden.

Allerdings muss vorab abgeklärt werden, ob nicht ein anderer Kostenträger zur Finanzierung herangezogen werden kann wie zum Beispiel die Unfallkasse.

Die Förderung wird pro Person für ihren persönlichen Lebensmittelpunkt bewilligt. Das heißt, wenn mehrere pflegebedürftige Menschen in einer Wohnung leben, die baulich auf die Pflegebedürftigkeit angepasst werden muss, kann jede dieser Personen ihren eigenen Zuschuss mit dann insgesamt bis zu 16.000 Euro beantragen. Hier finden Sie einen Überblick zu den Leistungen der Pflegeversicherungen.

Finanzierung durch die Krankenkasse

Einige Produkte wie z.B. Dusch-WCs oder Badewannenlifter können auch als Hilfsmittel von Ihrem Hausarzt verschrieben werden. So fördern zum Beispiel die Pflegekassen fest mit dem Gebäude verbundene Rampen, die Krankenkassen dagegen mobile Rollstuhlrampen.

Wann welcher Kostenträger zuständig ist, ist klar abgegrenzt. Ausschlaggebend ist dabei unter anderem die Ursache, die die Anwendung eines Hilfsmittels wie eine Rampe notwendig macht. In jedem Fall lohnt es sich aber, einmal im Hilfsmittelkatalog nachzuschlagen.

Dort werden ständig neue Produkte aufgenommen, die auch Ihr Arzt nicht alle kennen kann. Und Hilfsmittel können auch ohne Pflegestufe beantragt werden.

Finanzierung durch die Unfallkasse oder Berufsgenossensschaft

Ist die Pflegebedürftigkeit aufgrund eines Unfalls oder eines Berufsunfalls eingetreten, sind die Unfallkasse oder die Berufsgenossenschaft Ihre Ansprechpartner.

Finanzierung durch die KfW-Förderbank 

Zuschüsse gewährt auf Antrag auch die KfW-Förderbank. Sie bewilligt einen Investitionszuschuss zur Barrierereduzierung in Höhe von bis zu 6.250 Euro pro Wohneinheit.

Alternativ können Sie jedoch auch – unabhängig von Ihrem Alter – einen günstigen Kredit in Höhe von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit in Anspruch nehmen, wenn Sie Ihr Haus oder Ihre Eigentumswohnung altersgerecht anpassen lassen wollen.

Darüber hinaus setzen außerdem die jeweiligen Bundesländer noch ganz eigene finanzielle Anreize für barrierefreies Bauen.

Das Bundesland Sachsen geht beispielhaft voran

Etwa jeder zehnte Sachse gilt als schwerbehindert und so hat das Bundesland Sachsen ein eigenes Förderprogramm aufgelegt, um dem auch gerecht zu werden. Seit Juli 2017 stehen dazu zunächst jährlich drei Millionen Euro zur Verfügung.

Konkret bedeutet das: Menschen mit Handicap erhalten nach Antragstellung vom sächsischen Ministerium einen Zuschuss von bis zu 80 Prozent der Kosten für Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen. Die Höchstsumme liegt hier bei 8000 Euro, Rollstuhlfahrer/innen erhalten sogar bis zu 20.000 Euro.

Genauere Informationen zur Antragsstellung, den Rahmenbedingungen und die Adressen der zuständigen Beratungstellen finden Sie hier.

Ausschlaggebend für die Entscheidung des sächsischen Ministeriums war die folgende Studie:

In Sachsen fehlen Wohnungen für alte Menschen

Eine bundesweit einmalige Studie zeigt, dass in Sachsen viele Häuser für Bewohner mit Einschränkungen umgebaut werden müssten.

Source: www.sz-online.de/sachsen/in-sachsen-fehlen-wohnungen-fuer-alte-menschen-3634114.html

Wir drücken jetzt die Daumen

Und wir hoffen, dass Folgendes passieren wird: erstens, dass es in Sachsen auch ausreichend Fachbetriebe für Barrierefreies Bauen gibt, die dieser Herausforderung gerecht werden können und zweitens, dass sich andere Bundesländer dem Beispiel Sachsens nun zügig anschließen werden.

Übrigens: Seit Mitte März 2017 unterstützt das sächsische Ministerium auch Familien mit Kindern und einem geringen Einkommen durch ein zinsgünstiges Darlehen dabei, ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung zu bauen oder zu erwerben.

Warum wir das erwähnen? Nun, es gibt anscheinend wieder mehr und mehr Familien, die ein Mehrgenerationenmodell anstreben, bei dem Eltern, Großeltern und Enkel unter einem Dach leben. Diese Familien können nun also direkt von mehreren sächsischen Förderprogrammen profitieren.

Vielleicht haben ja auch Sie schon einmal darüber nachgedacht?


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