Mit dem Verlust der Sehfähigkeit steigt auch die Sturzgefahr


1/3 der Unfälle älterer Menschen werden durch eine eingeschränkte Sehfähigkeit verursacht, wie die Fachzeitschrift Der Augenspiegel bereits 2012 in ihrer Juni-Ausgabe berichtete. Doch Seh- und Hörbehinderungen stellen sich mit steigendem Alter vor allem schleichend ein. Der Betroffene selbst bemerkt zwar eine Veränderung, aber selten realisiert er ihre Dimension und mögliche Gefahren, die damit einhergehen können.

Das Sehen in der Dämmerung oder bei Dunkelheit wird dadurch zunehmend erheblich erschwert, das räumliche Sehen eingeschränkt und die Unfallgefahr steigt erheblich.

Der graue Star zum Beispiel ist eine der häufigsten Augenkrankheiten im Alter. Das heißt, er trifft im Prinzip jede/n von uns früher oder später. Verlassen Sie sich besser nicht darauf, dass Sie erst mit 80 betroffen sein werden: es gibt durchaus Menschen, bei denen auch schon mit 50 ein grauer Star diagnostiziert wird.

Intelligente Leitsysteme helfen bei der Orientierung

Orientierungssysteme und Signaletik. Führen - Finden - Fliehen
Jetzt auf Amazon kaufen*
Preis inkl. MwSt., zzgl. Versandkosten
Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2017 um 11:43 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Menschen mit einer Seheinschränkung können aber deutlich profitieren, wenn zusätzlich zu einer Verbesserung der Lichtverhältnisse auch Orientierungshilfen auf dem Fußboden oder den Treppenstufen selbst angebracht werden.

Visuelle Leitsysteme wie zum Beispiel Leitstreifen, die durch eine kontrastreiche Farbgebung Aus- und Eingänge oder Treppenstufen markieren und helfen Hindernisse zu umgehen, sind aus vielen öffentlichen Gebäuden bereits bekannt. Aber auch im Wohnbereich ist ihr Einsatz empfehlenswert, um die Selbstständigkeit zu erhöhen und Unfälle zu vermeiden.

Stufen sollten immer für alle erkennbar sein

Menschen stürzen an und auf Treppen vor allem deshalb, weil die Übergänge der Stufen kaum sichtbar sind. Kontrastreiche Markierungen helfen allen Nutzern dabei, Gefahrenquellen wie Stufen und Glasflächen frühzeitig zu erkennen und Unfälle zu vermeiden.

Sinnvoll ist auch  – im Hinblick auf eine mögliche Verschlechterung der Sehfähigkeit – direkt eine Kombination von Leitstreifen und Aufmerksamkeitsfeldern einzuplanen. Aufmerksamkeitsfelder werden aus Strukturplatten gebildet, die durch Ertasten mit dem Fuß oder mit Hilfe eines Pendel- bzw. Blindenstocks Eingänge markieren und so vor Hindernissen und Treppen warnen.

Beispiele für Leitsysteme

Leider sind die Anwendung und die Möglichkeiten von Leitsystemen bis heute vielen noch nicht geläufig. Denn mit Barrierefreiheit werden nach wie vor fast nur Mobilitätseinschränkungen assoziiert.

Deshalb empfehlen wir Ihnen, sich einmal das youtube-Video „Barrierefreiheit innovativ nachweisen“ anzusehen. Hierin wird Ihnen direkt eine ganze Reihe von Beispielen zu taktilen Leitsystemen zum Beispiel aus Desmopan und Edelstahl sowie barrierefreie Glasmarkierungen vorgestellt.

Dipl.-Ing. Thomas Kempen (Kempen Krause Ingenieure, Aachen) hat diesen Film bei einem Projekt-Wettbewerb der Ingenieurkammer-Bau NRW in der Kategorie „Barrierefreiheit“ eingereicht und mit 143 Stimmen einen 3. Platz erreicht. Oder stöbern Sie doch auch mal in unseren Buchempfehlungen.

Praxisratgeber für blinde und sehbehinderte Menschen

Der Deutsche Verein der Blinden und Sehbehinderten in Studium und Beruf e.V. (DVBS) hat 2015 in Kooperation mit der Fachzeitschrift „DER AUGENSPIEGEL“ einen neuen Praxisratgeber herausgegeben.

Darin finden Sie einen Überblick, welche Hilfen beantragt werden können. Außerdem gibt es gut verständlich formulierte Erläuterungen dazu, die auch für Menschen mit anderen körperlichen Einschränkungen hilfreich sein können.

Was in diesem Ratgeber leider jedoch fehlt, ist der Hinweis darauf, dass Sie bei verschiedenen Kostenträgern Mittel für Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen beantragen können.

Seit 2015 zahlt die Pflegekasse schon ab Pflegestufe 0 einen Zuschuss von bis zu 4000 Euro für eine individuelle Anpassung ihres Wohnumfeldes, die Ihre Selbstständigkeit und Sicherheit erhöhen und pflegende Personen entlasten kann. Das gilt ebenfalls für die Planung und den Einbau von Leit- und Orientierungssystemen.

Sie haben noch Fragen oder Anregungen? Dann freuen wir uns auf Ihre Nachricht:


Kommentar verfassen