Wie definieren Pflegekassen eigentlich eine wohnumfeldverbessernde “Maßnahme”?


Was ist nun eigentlich eine wohnumfeldverbessernde Maßnahme nach § 40 SGB XI? Diese Frage stellen sich früher oder später viele, die sich mit einer senioren- oder behindertengerechten Anpassung ihres Wohnumfeldes beschäftigen und dafür Geld bei der Pflegekasse beantragen.

Einige stellen sich diese Frage allerdings auch nicht, weil sie die Antwort schon zu kennen glauben: eine Maßnahme ist halt eine Baumaßnahme. Eine Maßnahme ist doch eine Anpassung des Bades, der Türeingänge, der Küche für Menschen mit Behinderung…

Doch ist das wirklich so?

Maßnahme=Baumaßnahme?

Auf den meisten Webseiten und in Broschüren scheinen Maßnahmen zur Anpassung des Wohnumfeldes in der Tat als Baumaßnahmen definiert zu werden. So auch in einem Artikel des Bundesgesundheitsministeriums:

„Wenn Pflegebedürftige zu Hause gepflegt und betreut werden, kann es hilfreich sein, das Wohnumfeld an die besonderen Belange der Pflege- oder Betreuungsbedürftigen individuell anzupassen.

Beispielsweise kann das Bad behindertengerecht umgebaut, die Kücheneinrichtung oder anderes Mobiliar angepasst oder es können Schwellen und sonstige Hindernisse abgebaut werden.

Zu solchen sogenannten Maßnahmen zur Verbesserung des individuellen Wohnumfelds kann die Pflegekasse auf Antrag bis zu 4.000 Euro als Zuschuss zahlen, wenn sie dazu dienen, die häusliche Pflege zu ermöglichen oder – gerade auch für die Pflegepersonen – erheblich zu erleichtern oder eine möglichst selbstständige Lebensführung der Pflege- oder Betreuungsbedürftigen wiederherzustellen.“

Diese Aussage ist wahr und leider doch zugleich falsch oder zumindest missverständlich. Denn tatsächlich besteht eine Maßnahme zur Verbesserung des individuellen Wohnumfeldes in der Regel aus vielen verschiedenen Einzelmaßnahmen, die auf den aktuellen Gesundheitszustand und den damit zusammenhängenden Bedarf der jeweiligen Antragsteller/innen abgestimmt sind.

Was bedeutet das konkret? Das zeigen wir Ihnen anhand eines Beispiels aus unserer Praxis.

Eine Maßnahme für Frau Müller

Das Ehepaar Müller* (*Name von der Redaktion geändert) – gepflegter Mittelstand Anfang Fünfzig – lebt zufrieden in seinem hübschen Eigenheim am Berliner Stadtrand. Frau Müller bekam jedoch vor kurzem die Diagnose „Multiple Sklerose“.

barrierefreies Bad

Dusche vorher und nachher Foto: DOC-DARMER

MS ist eine Erkrankung, die in der Regel fortschreitet und häufig mehr als nur ein Symptom aufweist. Verlauf und Symptome sind dabei jeweils völlig individuell und nicht voraussehbar.

Noch kann Frau Müller laufen, jedoch fällt es ihr aufgrund ihrer Krankheit außerordentlich schwer, die Füße höher als vier oder fünf Zentimeter zu heben.

Ein Einstieg in die Badewanne ist so völlig unmöglich und auch in die Duschtasse kann sie selbst mit fremder Hilfe eigentlich kaum einsteigen.

Häufigste Anpassung im Wohnumfeld: ebenerdige Duschen

Frau Müller benötigt also eine Anpassung des Badezimmers mit einer ebenerdigen Dusche, um sich wieder selbstständig um ihre Körperpflege kümmern zu könnnen. Ihre Ehemann als pflegender Angehöriger würde dadurch ebenfalls deutlich entlastet werden.

Frau Müllers Gang ist außerdem durch Sehstörungen und Muskelschwund häufig extrem unsicher, was bereits zu Stürzen geführt hat. Alleine verlässt die das Haus nie, aber sie möchte sich wenigstens zu Hause selbstständig bewegen können, wenn ihr Mann zur Arbeit ist.

Handläufe in Haus und Garten geben Sicherheit

Wohnumfeldverbessernde Maßnahme Handläufe

Durch Handläufe Stürze vermeiden Foto: DOC-DARMER

Die nötige Sicherheit erhält sie dafür durch Handläufe, die in vielen Bereichen innerhalb des Hauses und Gartens angebracht werden und einen Hausnotruf für den Fall, dass sie doch einmal stürzen sollte.

Was in unserem Beispiel nach mehreren Baumaßnahmen klingt, wird von den Pflegekassen tatsächlich lediglich als eine einzige Verbesserungsmaßnahme im Sinne des § 40 SGB XI gewertet. 

Frau Müller hat also keinen Anspruch auf 4000€ Zuschuss für den Badumbau PLUS zusätzlich noch einmal auf einen gesonderten Zuschuss der Pflegekasse für den Einbau der Handläufe. Die Pflegekasse bezuschusst das gebündelte Gesamtpaket aller Maßnahmen, die für Frau Müller in ihrem derzeitigen Gesundheitszustand notwendig sind, als eine einzige Maßnahme mit 4000€.

Dabei ist es unerheblich, ob die Anpassungen in einem Rutsch vorgenommen und abgerechnet werden oder in mehreren Etappen. Ein Geldzuschuss der Pflegekasse, der noch nicht vollständig verbraucht wurde, kann auch noch später für weitere Anpassungen verwendet werden.

Der Gesundheitszustand kann sich ändern, Bedarfe auch

Was viele nicht wissen: einen Antrag auf einen Zuschuss können Sie auch ein wiederholtes Mal bei der Pflegekasse stellen. Wenn sich der Gesundheitszustand maßgeblich verschlechtern sollte, ändert sich der Bedarf von Versicherten und damit kann auch eine neue Verbesserungsmaßnahme begründet werden.

Nicht, dass die Antragstellung und Bewilligung des Zuschusses dann auch immer schnell, unkompliziert und reibungslos über die Bühne ginge. Erst muss ein/e Gutachter/in den neuen Bedarf bestätigen, so dass Sie in jedem Fall mit Wartezeit rechnen müssen. Versuchen sollten Sie es trotzdem.

Aber Achtung: sollten Sie den Zuschuss aus dem ersten Antrag zu diesem Zeitpunkt noch nicht vollständig aufgebraucht haben, müssen Sie die Restsumme für Ihre neuen Pläne verwenden.

Wenn die Selbstständigkeit erneut beeinträchtigt ist, muss auch erneut angepasst werden

Barrierefreie Eingänge mit ALUMAT

Türschwellen beeinträchtigen die Mobilität Foto: DOC-DARMER

Das Ehepaar Müller war zum Beispiel nach der Anpassung seines Hauses viele Jahre sehr zufrieden mit seiner Wohnsituation und ist es größtenteils auch jetzt noch.

Frau Müllers Sehstörungen haben inzwischen jedoch stark zugenommen; phasenweise ist sie vorübergehend sogar vollkommen blind.

Wie gut, dass sich ein Fachbetrieb für barrierefreies Bauen im Gegensatz zu anderen Planungs- und Handwerksbetrieben auch mit Krankheitsbildern auskennen muss. 

Weg mit den Türschwellen!

Frau Müllers Handläufe, die bei der ersten Maßnahme  montiert wurden, waren deshalb auch schon vorausschauend mit einem Leitssystem für Blinde ausgestattet. Jetzt, da sie zunehmend schlechter sieht, hat sie sich bereits daran gewöhnt und kann sich damit in Haus und Garten sehr gut orientieren.

Jedoch auch die Bewegungsfreiheit von Frau Müller ist deutlich eingeschränkter als früher. Ihr Körper ist S-förmig gebogen, sie ist auf ein E-Mobil angewiesen und selbst eine Türschwelle von nur 2 cm Höhe kann sie nicht mehr alleine passieren.

ALUMAT

Da helfen ihr dann auch die Handläufe in Haus und Garten nichts, wenn sie Räume und Haus ohne fremde Hilfe nicht verlassen kann. Sämtliche Schwellen von Innen- und Außentüren, die noch vorhanden sind, müssen also komplett entfernt werden. Damit danach trotzdem kein Regenwasser durch die Außentüren ins Haus eindringen kann, werden die Eingangsbereiche mit dem patentierten ALUMAT-System nachgerüstet. 

Besser sehen durch Tageslichtlampen

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Zuletzt aktualisiert am 15. Dezember 2018 um 22:33 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.
Nicht nur wegen der Seheinschränkung haben wir dem Ehepaar Müller übrigens auch zu einer neuen Beleuchtung geraten. Viele MS-Kranke sind dauerhaft erschöpft oder werden sehr schnell müde.  Außerdem wurde bereits ein Zusammenhang von Sonnenlicht und dem Ausbruch/Verlauf von Autoimmunerkrankungen und Depressionen nachgewiesen. Einige Krankenkassen finanzieren deshalb auch Lichttherapie als alternative Heilmethode. Im heimischen Umfeld sorgen Tageslicht- oder – noch besser- Vollspektrumlampen nicht nur tagtäglich für eine bessere Sicht, sondern auch für ein allgemein verbessertes Wohlbefinden.

Tageslichtlampen simulieren das natürliche Licht, erleichtern das Sehen und halten vitaler. Jedoch ausschließlich Vollspektrumlampen simulieren das gesamte Farbspektrum des Sonnenlichts, geben dabei die meiste UV-Strahlung ab und regen so die körpereigene Herstellung von Vitamin D an.

Auch diesmal ist es so: der Schwellenabbau, Einbau des ALUMAT-Systems sowie die Installation einer neuen Beleuchtung werden von der Pflegekasse als eine Wohnumfeldverbessernde Maßnahme für Frau Müller gewertet.

Die Tage werden wieder kürzer – vielleicht denken auch Sie einmal über Ihre Beleuchtung nach. Manchmal können schon kleine Veränderungen wie der Austausch einer Glühbirne kleine Wunder bewirken.

Behinderung Senioren Kaufempfehlung

Foto: Designed by Asier_Relampagoestudio / Freepik

Finanztipp:

Auch die Beratung durch eine Fachfima zum Thema Wohnungsanpassung wird auf Antrag von den Pflegekassen bezuschusst. Übrigens zahlt Ihre Kasse auch dann, wenn Sie sich danach gegen eine Anpassung Ihres Wohnumfeldes entschließen sollten. Das kann zum Beispiel der Fall sein, wenn Ihnen nach der Beratung ein Umzug sinnvoller oder kostengünstiger erscheint.

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